| Der Löbauer Berg (Seite 1 von 3) 1 l 2 l 3 Im Heer der Lausitzer Berge bildet der Löbauer Berg einen zusammengedrängten, kräftigen Grundstock der Nord-Ost-Flanke, trotzig hinausschauend in die weite Ebene und Heide, Einem Wächter vergleichbar, hütet er die freundliche Stadt, die an seinem Fuße liegt und die ihm den Namen gibt. Und wie er in früheren Jahrhunderten die Löbauer durch seine kräuterreichen Weideflächen mit Milch und Butter versorgte, ihnen das Holz zur Feuerung lieferte und ihrem Vieh die Streu in die Ställe, so ist er auch heute noch eine Quelle ihres Wohlstandes und Wohlbefindens.
Der Löbauer Berg erhebt sich nahe an 450m über den Spiegel der Ostsee u. etwa 240m über die Talsohle der Löbau, der er die Richtung nach Norden weist. Seine verhältnismäßig steilen Abhänge bewirken, daß er viel höher erscheint als er ist. Sein Rücken zeigt die deutliche Form eines Sattelberges. Zwei Spitzen treten dabei hervor: nordöstlich der „Schafberg", südwestlich der „Turmberg". Die ihm zugehörige Waldfläche umfaßt 241 ha 37 a. Seiner Entstehung nach gehört der Löbauer Berg zu denjenigen Bergen, die in einer späteren Zeit der Erdbildung durch vulkanische Kräfte emporgetrieben worden sind. Verschiedenfach findet man daher an seiner Oberfläche Steine, welche deutliche Spuren der einstigen Schmelzeinwirkung zeigen. Er ist eine der zahlreichen Basaltkuppen, die einst das Grundgestein der Lausitz und Nordböhmens durchbrochen haben. Dieses Grundgestein, auf dem er steht, ist der aus weißlichem Quarz und Feldspath von mittlerem Korne und aus dunklem Glimmer bestehende sogenannte Lausitz-Granit. An verschiedenen Stellen rings um den Berg tritt dieser Granit frei zu Tage. Dabei ist der Löbauer Berg gewissermaßen eine geognostiscbe Berühmtheit, da die Hauptmasse seines Gesteins Nephelindolerit ist, ein kristallinischkörniges Gemenge von Nephelin und Augit mit allerlei verschiedenartigen Nebenbestandtellen. Nur die südliche Abdachung und die sogenannte „Judenkuppe", sowie einige inselartig verstreute Parzellen bestehen aus eigentlichem Basalt, der hier in plattenartiger Anordnung auftritt, wie sich dies im großen Steinbruch auf der Südseite des Berges wirkungsvoll zeigt. Die meist losen, an ihrer Oberfläche rauhen Nephelindoleritblöcke bilden u. a. am Ostabhange der Berghauskuppe und am Nord-West-Abhange des Berges gewaltige, wild übereinandergestürzte Felstrümmer, die dort als das „große" und hier als das „kleine steinerne Meer" bezeichnet werden.
Nicht uninteressant ist auch ein Blick in die Pflanzenwelt des Löbauer Berges. ... Dieselbe ist im allgemeinen die der Bergregion. Die Mannigfaltigkeit und der Wert dieser Pflanzenwelt ist im Volksmunde verständnisvoll unter dem Namen „Krautergarten" zusammengefaßt. So sind schon vor Jahrhunderten gewisse Stellen des Berges benannt worden. Unter den Waldbäumen nimmt im berge die Fichte die erste Stelle ein. Sie liefert bei einem 70 bis 80jährigen Umtrieb das wertvollste Nutzholz. Die Laubbestände an Eichen, Buchen, Birken, Eschen, Ahorn und Erlen, wie sich solche nach der benötigten Lage auf und am Berge verstreut finden, verleihen dem Bergwalde einen noch besonderen Schmuck.
Die Tierwelt ist auf dem Löbauer Berge namentlich an Insekten sehr reich vertreten. Hunderte von Käferarten und 16 bis 1800 Arten von Schmetterlingen sind nachweisbar. Unter den gefiederten Sängern nimmt die Singdrossel die erste Stelle ein. Aber auch manch anderer gefiederter Waldsänger erfreut die Bergbesucher durch seine munteren Weisen. Von dem vorhandenen Wild huscht ab und zu das flinke Reh und der wenig mutige Hase, manchmal wohl auch der spitzbübische Freund Reineke, der Fuchs, über den Weg. Wölfe und Wildschweine, sowie Hirsche, denen man ums Jahr 1650 noch vereinzelt auch im Löbauer Bergrevier begegnet ist, aber sind nicht mehr vorhanden.
Der Löbauer Berg hat in frühesten Zeiten mit zur Herrschaft Landeskrone bei Görlitz gehört, wie der Kottmar einst zur Herrschaft Tollenstein. Die Lubota, d. i. die Löbau, bildete in dama- liger Zeit die Grenze zwischen dem Gau Budissin und dem Gau Görlitz; es lag also der Berg auf der Görlitzischen Seite. Mit Ankauf des des Gutes u. Dorfes „Dybisdorff" (Tiefendorf) im Jahre 1366 von Heinrich von Landeskrone wird der Berg mit in den Besitz der Stadt Löbau gekommen sein. Freilich war die der Stadt zu eigen gewordene Fläche keine allzugroße, da die anderen Flurstücke von Tiefendorf. sowie diejenigen von Ebersdorf, Paulsdorf u. Körbigsdorf weit am Berge hinaufreichten. Der heutige Umfang ist ein Produkt beständiger Zuläufe. Im Pönfalle 1547 verlor Löbau bekanntlich auch den Berg, erhielt aber 1549 die westliche Hälfte von König Ferdinand l. als Geschenk u. die östliche Hälfte 1554 durch Kauf für 400 Taler von den Erben Nicols v. Metzenradt aus Herwigsdorf wieder zurück. Die letzte größere Erwerbung war die des Nord-Ost- u. Ost-Fußes von Hans v. Nostitz-Drzewiecki zu Wendisch-Paulsdorf im Jahre 1875 für die Summe von 105 000 Mark.
Auch das äußere Aussehen des Berges war in früheren Jahrhunderten ein anderes. Große, weite Flächen auf ihm waren unbewaldet, da sie als Hutungen benutzt wurden. Doch reichten die bewaldeten Stellen auch wiederum viel weiter abwärts, auf der Stadtseite in einigen Streiten bis ins Löbautal. Die Namen „Schafberg", „Kuhsteig", „Kuhtreibe", „Schaflehde". „Schäfers Grenze", „Hengstberg" u. drgl. die sich als Benennung für Teile des Berges erhalten haben, bezeichnen solche Hutungsplätze. Die Löbaurr Bürger aber besaßen das alte Recht, auf diesen ihre Rinder, Schafe und selbst Schweine hüten zu lassen. Die Bergweiden boten ein saftreiches Gras. An Tränkstätten fehlte es auch nicht. es waren solche eingerichtet am „Honigbrunnen", am "Kaffeebrunnen" (südl. unterhalb des Turmes), am „Rinnelbrunnen" (an der Ostseite des Schafberges) und am „Frenzelbrunnen" (unterhalb des „Schwarzen Winkels" am Westabhange). Zumteil begrenzte man diese Hutungsplälze durch lose Steinmauern, deren Überreste sich an vielen Stellen heute noch zeigen. Solche Benutzung des Berges machte den späteren Waldanbau außerordentlich schwierig u. d. ehrsame Rat hat manchen harten Strauß mit der auf ihr altes Recht pochenden Bürgerschaft auszufechten ge- habt, Allmählich aber gelang es ihm doch, das Hutungsrecht immer mehr und mehr einzuschränken; ums Jahr 1850 wurde es zuletzt völlig abgelöst. Ähnliche Kämpfe hat es auch der Holz- und Streu-Entnahme wegen gegeben. So ließ z. B. 1680, den 27. Oktober, der “E. E- Rath” durch den Stockmeister auf der Röhrhütten ausrufen, daß 'hinfüro Niemand er sei wer er Wolle, mehr Holz im Berge hohlen solle; wer hierüber ergrieffen würde, und es nicht im Vermögen hätte, sollte ans halß Eisen gestellet, die andern undt Vermögenden aber mit nachdruck an gelde gestraffet werden'. 1 l 2 l 3 |