Der Löbauer Berg (Seite 2 von 3) 1 l 2 l 3 Waren es in den letzten Jahrhunderten Hirten und Jäger nur, welche der Löbauer Berg zu seinen regelmäßigen Besuchern zählte, so hat er in der vorausgegangenen heidnischen Zeit den Bewohnern von Löbau und seiner Umgebung ein viel höheres Interesse geboten. Damals war er die Stätte ihrer Gottesverehrung, und germanische Priester haben hier dem Wodan, sorbische aber später dem Swantowit Opfer gebracht. Möglicherweise, daß schon die Druiden der Kelten da oben im heiligen Haine gewohnt und geweißagt haben. Aus jener Zeit stammt der „Schlackenwall", welcher die Spitze des Schafberges umgibt. Das ist ein bedeutendes Bauwerk, dessen Umfang ca. 1000 m beträgt, sodaß er ein Areal von ca. 16,5 Scheffel umschließt. Der Wall mag an manchen Stellen 3 bis 4 m und darüber hoch und ebenso breit gewesen sein; nach Jahrtausenden erscheint er natürlich jetzt viel niedriger. Hirten und Forstleute haben ihn an manchen Stellen auch wohl verändert und durchbrochen. Das innere des Wallkörpers enthält gelbe Erd- und Ascheschichten und verschlackte Steine, der vom Walle eingeschlossene Raum aber überall Asche und Tonscherben. Steinerne und broncene Kelte (Beile) und Messer, broncene Armringe u. dergl. sind verschiedenfach in ihm und an ihm gefunden worden. Im hiesigen Stadtmuseum werden solche aufbewahrt. Professor Virchow und andere Männer haben in ihm gegraben und sich um die Lösung der Frage gemüht, wie er entstanden sein kann und welchem Zwecke er gedient hat. Fast alle halten ihn für eine Stätte altheidnischer Gottesverehrung. Doch kann er zu gegebenen Zeiten auch zu Wohnungszwecken, zu anderen wieder als Zufluchts- und Verteidigungsort benützt worden sein. Nach Einsicht eines Löbauer Archäologen, des Herrn Oberlehrer Schmidt ll., ist der „zumteil verschlackte Steinwall" eine germanische Siedelung aus der Zeit von 1500 bis 1000 vor Christo. Die beim Bau des Walles mit verwendeten Holzteile sind verbrannt, Asche und verschlackte Steine sind geblieben. Auch in der Gegenwart ist der Löbauer Berg nun wieder eine Pilger- und Zufluchtsstätte geworden, aber freilich nicht in dem Sinne wie einst zu heidnischer Zeit. Heute ergötzt man sich auf ihm an Waldesluft und Waldesfrieden, an herrlicher Aussicht und an Speise und Trank. Dafür trägt er einen Aussichtsturm und drei Restaurationen auf seinem Rücken. Das war ein Ereignis von ungewöhnlicher Bedeutung, als im Jahre 1738 „zu einiger Gemüths-Ergötzlichkeit" die erste Unterkunfts- und Aussichtshütte auf dem Berge erbaut und eingeweiht wurde. Dazu war eine besondere „Kantate bey Einweihung des erbauten Berghäuschens auf dem Löbauischen Berge 1738 d. 24. August" gedichtet und komponiert worden, die mit der Arie endete: „So manches Gras auf den umliegenden Gründen, So viel auf dem Berge sich Steine befinden, So manches Blatt dieses Gebüsche besitzt, So mancher Strahl, der unsere Höhe erhitzt, So viel aus dem Honigbrunn Tropfen verquillen, So manches Glas man allhier oben wird füllen, So manches Vergnügen, so vielfache Lust Erfreue, Hochwertheste! Eure Brust!"
Jm Siebeniährigen Kriege ist diese Hütte dann wieder zerstört worden. Erst 1770 wurde durch die Lobauer Kaufmannschaft eine neue errichtet, die dann 1781 durch den Rat erweitert ward. Seil dieser Zeit und bis 1854 sind nun hier am „Berghäuschen" alljährlich Scheibenschießen veranstaltet worden. Die ältere Berghausrestauration erbaute man 1834. Heute ist das Berghäuschen verschwunden. An seiner Stelle steht eine zeitgemäße Bergwirtschaft.
Am Honigbrunnen sind die ersten Baulichkeiten in der Zeit von 1841 bis 44 erstanden; die spätere Restauration aber ward 1854 erbaut. Doch diente der Platz daselbst den Löbauern schon seit vielen Jahrzehnten vorher zu geselligen Zusammenkünften. Da wurde im Freien Kaffee gebraut, wozu der Stadtförster das Holz zu liefern hatte. Spiel und Tanz der Großen und Kleinen bildete den Abschluß solcher „Ergötzlichkeit". Heute steht an dieser Stelle das „Honigbrunnen-Hotel", ein Etablissement, das den weitgehendsten Wünschen und Bedürf- nissen der Gegenwart in erhöhtem Maße Rechnung trägt. Es ist in den Jahren 1895/96 mit ei- nem Kostenaufwande von etwa 108 000 M durch die Stadt erbaut worden. Eine besondere Gaszuleitung, mit einem Aufwande von etwa 8000 M hergestellt, verbindet das Etablissement mit dem Gasrohrnetz der Stadt.
 Frühere Aufnahme des Berg-Gasthofes Honigbrunnen 1 l 2 l 3 |